Kammerjäger bekämpft das Ungeziefer


Schwarzwälder-Bote, 19.04.2015 20:24 Uhr

Turbulent, chaotisch und zuweilen wie in Sodom und Gomorra ging es in Peters Wohnung in Salzstetten einher, als die Ehefrau eine Auszeit auf Mallorca nahm. Was das bisschen Haushalt alles an Ereignissen auslösen kann, das erlebten die Zuschauer bei der Theater-Premiere im Gemeindesaal. Großer Beifall belohnte die sieben Akteure. Fotos: Maier Foto: Schwarzwälder-Bote

Turbulent, chaotisch und zuweilen wie in Sodom und Gomorra ging es in Peters Wohnung in Salzstetten einher, als die Ehefrau eine Auszeit auf Mallorca nahm. Was das „bisschen Haushalt“ alles an Ereignissen auslösen kann, das erlebten die Zuschauer bei der Theater-Premiere im Gemeindesaal. Großer Beifall belohnte die sieben Akteure. Fotos: MaierFoto: Schwarzwälder-Bote

Waldachtal-Salzstetten. Chaos im Männerhaushalt, liebeshungrige Nachbarinnen, eine polnische Haushaltshilfe und ein akribischer Kammerjäger – Szenen, wie sie das Leben schreibt. Sieben Akteure der Salzstetter Theaterspatza begeisterten bei ihrer Premiere im voll besetzten Gemeindesaal mit der schwäbischen Komödie in drei Akten „Ein fast perfekter Mann“ von Autorin Jennifer Hülser

 

Lokalkolorit kam bei dem kurzweiligen und vergnüglichen Theaterabend nicht zu kurz.

Während Ehefrau Gabi (Katja di Donato) zu ihrer Freundin nach Mallorca flüchtete, ging es zu Hause bei Ehemann Peter (Jürgen Zebrak) in Salzstetten turbulent zu. Gabi stellt ihrem Peter ein Ultimatum und verlangt, dass er lernt, den Haushalt selbst zu führen. Die überfürsorgliche Nachbarin Ella Ehrlich (Marga Kempeneers), die stets über alles im Bilde war, und die attraktive Nachbarin Diana (Claudia Ganszki) begehrten derweil den fast perfekten Mann Peter. Dessen sturmfreie Bude geriet ins Chaos, als sein bester Freund Olaf (Thorsten Rumpelt), der es sich als Fußball-Fan der Salzstetter Jungs des VfB Stuttgart mitten unter Bierkisten beim Strohwitwer gemütlich machte. Peter gab an, seine Frau Gabi hätte ein Schädeltraumabeinbruch. Natürlich ging es gründlich schief, das bisschen Haushalt zu meistern. Nichts von Saubermachen und wenig Kochkunst. Peter schüttete alles, was ihm zwischen die Finger kam, in einen riesengroßen Topf. Was für eine rustikale Kochweise. Aus dem Eintopf wurde nichts. Der verbrannte genauso wie Schwiegermutters kostspielige Chanel-Bluse aus Kaschmir-Seide beim unbeholfenen Überbügeln. Niemand durfte mitbekommen, dass die Männerwirtschaft heimlich zum Essen in die Linde nach Vesperweiler schlich: „Der Rainer kocht dort so gut.“ Dagegen stellte die stets dazwischenfunkende Schwiegermutter Elfriede Vierkant (Annette Schulz) aus Altheim in der Salzstetter Lotterwirtschaft-Wohnung von Schwiegersohn Peter hohe kulinarische Ansprüche. Peter entgegnete: „Wir sind doch nicht im Hotel Albblick!“ Auch monierte sie fehlende Manieren, geriet aber selbst in den Strudel aus Alkohol und Halluzinationen: Was für ein ausschweifendes Trinkgelage mit Nachbarin Ella Ehrlich! Kunterbunt zu ging es im Haus von Intrigen und Täuschungen: Die polnische Haushaltshilfe „Dascha“ Claudia Ganszki, die von „einem schönen deutschen Mann träumte“, glänzte in der Doppelrolle von Putzfrau Dascha und heißblütiger Nachbarin Diana. Verwickelt in den ganzen Schlamassel war auch Olaf, der gern Dianas Kratzbürste sein wollte. Ein In-Flagranti-Ereignis löste das andere ab.

Einen passenderen Namen wie Dieter Rieselkäfer konnte der herbeigerufene Kammerjäger (Matthias Schulz) nicht tragen. Er sprühte was das Zeug hielt, um Schaben und Flöhe zu bekämpfen: „Ich muss alle dekontaminieren!“ Als Urheber der ganzen Ungeziefer-Plage wurde schließlich Hund Karlchen von Nachbarin Frau Ehrlich verdächtigt. Dieter Rieselkäfer mit seinen Entseuchungsmaßnahmen und alle Protagonisten hatten die Lacher auf ihrer Seite. Öfters spendete das Publikum Szenen-Applaus. Alle Laienschauspieler gingen in ihren auf den Leib geschneiderten Rollen auf. Gut eingeschlagen haben die beiden neuen Akteure Thorsten Rumpelt und Katia di Donato. Erstmals Regie führte Vorsitzender Oliver Dettling, der auch auf die Dienste von Vize-Regisseurin Marga Kempeneers und Regieassistentin und Souffleuse Evelyn Reitz zurückgreifen konnte. Fingerspitzengefühl bei der Maske bewies Lore Spohn und Walter Eschenfelder verantwortete die Technik. Theater-Chef Oliver Dettling lobte das „Super-Publikum“.

Die Salzstetter Theaterspatza geben zwei weitere Vorstellungen im Gemeindesaal Salzstetten, am Samstag, 25. April, um 19.30 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) und am Sonntag, 26. April, um 16.30 Uhr (Einlass 15 Uhr). Eine Kartenvorverkaufsstelle ist bei der Kreissparkasse in Salzstetten, Biergasse 14, 72178 Waldachtal, eingerichtet. Karten-Reservierungen auch bei Elisabeth Steimle, Telefon 073486/10 49, und unter www.salzstetter-theaterspatza.de.